Schlagwort-Archive: Mitverschulden

Das Kreuz mit dem Fahradhelm…

Es besteht zwar trotz jahrzehntelanger Diskussion in Deutschland nach wie vor keine Helmpflicht, was an den durchaus guten Argumenten dagegen liegen mag – trotzdem ist es für manche Fahrer aus rechtlicher Sicht sinnvoll, einen zu tragen.

Ob der Helm nun tatsächlich vor schweren Verletzungen am Schädel schützt, oder ob sich diese nur in Gesicht und Kieferbereich verlagern, vermag ich nicht zu beantworten. Letztlich muss das meiner Meinung nach jeder erwachsene Radler selbst wissen. Aus juristischer Sicht ist aber zumindest bestimmtem Gruppen von Radlern das Tragen des Helms anzuraten, um eine erhöhte Quote im Schadensfall zu verhindern.

So hat das OLG München vor kurzem einem Radfahrer, der mit einem VW-Bus zusammengestoßen war, die Mitverschuldensquote von einem Drittel auf 40% erhöht, weil er keinen Helm trug. Dem lag folgende Erwägung zu Grunde: Der Radfahrer habe ein Rennrad mit Klickpedalen benutzt, was für eine sportliche Fahrweise spreche. Aus dieser, so das OLG, folgt eine Obliegenheit des Radlers, einen Helm zu tragen, um sein Schadensrisiko zu senken. Zudem habe er außer Rumpf- auch Kopfverletzungen erlitten, die sich nach dem ersten Anschein durch den Helm zumindest mindern hätten lassen. Der Fahradfahrer war dem Anscheinsbeweis nicht entgegen getreten.

In einem ähnlich gelagerten Fall hat auch das OLG Düsseldorf bereits im Jahr 2007 eine erhöhte Quote ausgesprochen (Link öffnet eine PDF-Datei), weil ein Fahradfahrer, der sein sportliches Hobby auf öffentlichen Wegen auslebe, anders als der Freizeitradler gehalten sei, zur Vermeidung von schweren Verletzungen einen Helm zu tragen.

Der BGH hat sich zu diesem Thema meiner Kenntnis nach noch nicht geäußert. Trotzdem ist dem ambitionierten Fahradfahrer dringend zu raten, einen Schutzhelm zu tragen, ganz gleich, ob man nun von der segensreichen Wirkung des Helms glaubt oder nicht.

Ein sportlicher Radler unterscheidet sich von einem nicht so sportlichen nach Meinung der Gerichte übrigens durch das verwendete Rad, die Pedale und die Kleidung. Hier kann ich so manchem ambitioniertem Fahrer nur raten, vielleicht auf das Giant-Rad, die Sidi-Schuhe und ein Trikot vom Team Milram zu verzichten – oder eben die Eitelkeit zu überwinden und einen Helm zu tragen. Denn vor Gericht zu beweisen, dass man trotz Profiausrüstung nur selten die 20 km/h-Marke reißt, dürfte schwer werden.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein, Verkehrsrecht